Agnes Witte

Agnes Witte

Texte für alltägliche und besondere Anlässe

Barbie und die Katze (2009)

Ich kann fast nix dafür.

Es gibt Google Alerts. Das bedeutet, ich kann bei Google angeben, dass ich per Mail benachrichtigt werden möchte, wenn ein bestimmter Ausdruck dort an prominenter Stelle vorkommt.

Einer der Ausdrücke, für die ich Alerts habe, ist „Barbie“. Das liegt daran, dass mir Barbie gar nicht so schlecht geeignet schien, all die Fragen nach Konflikten und Zusammenhängen zwischen Gender, Sexualität und Ökonomie mit ordentlichen Antworten zu versehen. Tatsache ist, dass die Verwirrung, in die mich Barbie, Google und zahlreiche skurrile Autorinnen und Autoren gestürzt haben, nicht die geringste Ähnlichkeit mit etwas hat, das sich anfühlt wie eine Antwort.

Und nun dies:

My Cat is a Lesbian“ titelt Trisha-admin in dem jeglicher Gender-Flexibilität unverdächtigen Blog MomDot.com. Und Kronzeugin dieser Unglaublichkeit ist – Barbie.

Die Geschichte ist schnell erzählt:

Paprika, die neueste Katze in Trisha-admins Familie, entdeckte ihre Lust sehr früh. Und vermutlich noch unverdorben von heterozentristischer Katzensonntagsschule erkor sie sich eine der Barbies der Familie als Objekt ihrer Leidenschaft. Sexualität, ganz ohne Zweifel. Aber ob eine der Beteiligten über eine Geschlechterrollenidentität verfügt? Und ob es des Bewusstseins eigener Geschlechterrollenidentität bedarf um eine zu haben? Oder ist das wie mit den Synapsen, die man hat, ob man davon weiß oder nicht?

Ökonomisch jedenfalls ist alles einigermaßen durchsichtig: Paprika liebt Barbie, das wird jedoch ohne ökonomische Implikationen vorübergehen – jedenfalls der sexuelle Teil davon. Trisha-admin ist überzeugt, dass Barbie diese Liebe nicht erwidert, weiß jedoch nicht, wie sie es Paprika beibringen soll. Barbie saugt jedwede Projektion auf – das ist es, was sie am besten kann. Und Trishas-admins Ehemann darf seinen kleinen Mädchen deshalb weiter beruhigt Barbies kaufen.