Agnes Witte

Agnes Witte

Texte für alltägliche und besondere Anlässe

Puppen-Power anders

Puppen-Power: Barbie feiert ihren Fünfzigsten und ihre Dominanz in der Spielzeugszene, schreibt der britische Telegraph am 29. Dezember 2008.

Sie wird 2009 ein halbes Jahrhundert alt – aber keine Spur von grauem Haar, Falten oder gar Speckröllchen hier oder da. Oder Wechseljahren. Ihre Taille bleibt schmal, die Beine laaaaaaaaaang. Na ja, letzeres ist bei anderen Frauen auch so, aber wer schon mal versucht hat, das notwendige Bauchmuskeltraining den Umstellungen in den Wechseljahren anzupassen, kann ermessen, welchen Preis Barbie zahlt. Und Barbie macht immer noch 3,3 Millarden pro Jahr – und wäre wenigstens damit das perfekte Vorbild für die Spitzenmanagerin von heute.

Alles in Allem: Barbie – mit vollem Namen Barbara Millicent Roberts, wie in einer Romanserie in den 1960ern aufgedeckt wurde – ist keine gewöhnliche Fünfzigjährige.

So wird sie das Jubeljahr auch damit zubringen, von Ehrung zu Ehrung zu reisen. In Kalifornien beispielsweise wird dieses Jahr zum siebten Mal eine alternative Barbieausstellung stattfinden, die „Altered Barbie Show„, Barbie Anders eben:


Dort gibt es Veränderungen über Veränderungen, Diversity wird groß geschrieben. Barbie politisch, Barbie alt, Barbie mit ungewöhnlichen Vorlieben, Barbie queer:

Was nun die alte Frage betrifft, ob Barbie lesbisch ist oder nicht, spricht für das eine so viel wie für das andere. Die Designerinnen und Designer beispielsweise, die für Barbie arbeiten, sind mal so, mal so: Armani, Givenchy, Calvin Klein, Donna Karan, Dior, Versace and Vivienne Westwood, um nur einige zu nennen. Jedenfalls scheint Barbie nicht unter Homophobie zu leiden.

Andererseits trifft sie Jungs und Männer, mit Unterbrechung allerdings in den 1980ern, als Mattel-Topmanagerin Jill Barad ihre eine „Frauen-können-einfach-alles“-Kur verpasste und Barbie daraufhin eine beeindruckende Anzahl unterschiedlicher beruflicher Karrieren hinlegte. Barad ihrerseits soll Mattel Jahre später mit einer Abfindung von 30 Mio. Dollar verlassen haben, ein für damalige Verhältnisse Atem beraubend hoher Betrag.

Manchmal scheint es, schreibt der Telegraph in seinem wirklich bemerkenswert ausführlichen Porträt, als könne Barbie einfach nie gewinnen. Einige Seiten kritisieren, dass Barbie Heterosexualität als einige natürliche Lebensweise darstellt, während rechte religiöse Gruppierungen klagen, sie sei ein Instrument der Transgender-Bewegung.

Eins ist ihr auf jeden Fall bravourös gelungen: ihr Privatleben privat zu halten, lesbisch hin oder her. Und damit ist sie erfolgreicher als manch anderer Superstar.